Weiterbildung
Assistenz in der Kinder- und Jugendzahnheilkunde

Inhalt
Auf einen Blick
- Voraussetzungen
- Kammerkurse: Zielgruppe ZFA/ZAH
- DGKiZ-Zertifikat: ZFA aus Kinder- und Familienpraxen; auch Einsteiger:innen und Auszubildende sind willkommen
- Dauer
½ Tag bis 2 Tage (Kammerkurse) oder 7 Präsenztage in 3 Modulen (DGKiZ)
- Kosten
325 – 1.395 € (je nach vorgestelltem Angebot)
- Fachbereich
- Kinderzahnheilkunde, Prophylaxe
- Arbeitsorte
- Zahnarztpraxis, MVZ, Klinik, Behörde & Kostenträger
- Berufliche Chancen
Mögliche Spezialisierung für Kinder- und Familienpraxen. Die Kurse sind keine ZFA-Aufstiegsfortbildungen, können bei Kammeranerkennung aber zu den Stunden für Tätigkeitsgruppe II beitragen.
Ein Vierjähriger, der den Mund nicht aufmacht. Eine Mutter, die selbst Angst vor dem Zahnarzt hat und das bei jedem Satz zeigt. Eine Zwölfjährige mit frisch durchgebrochenen Backenzähnen und klebrigem Pausenbrot. In der Kinderzahnheilkunde kommt es oft weniger auf Tempo an als darauf, dass du die richtigen Worte findest.
Prophylaxe ist ein Schwerpunkt der Kinderzahnheilkunde: Früherkennungsuntersuchungen ab dem sechsten Lebensmonat, Individualprophylaxe ab sechs Jahren, Fissurenversiegelung und Fluoridlack. Die Untersuchung selbst bleibt zahnärztlich. Geeignete prophylaktische Teiltätigkeiten kann die Zahnärztin an dich delegieren, wenn deine Qualifikation passt.
Die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin (DGKiZ) bietet mit „ZFA für Kinderzahnmedizin“ einen eigenen Zertifikatskurs an. Dazu kommen kürzere Kurse an Kammerakademien. Dabei kannst du üben, wie du Kinder durch die Behandlung begleitest und ihre Betreuungspersonen einbeziehst.
Aufgaben in der Kinderzahnheilkunde
Ein möglicher Schwerpunkt deiner Arbeit ist die Prophylaxe. Für gesetzlich versicherte Kinder und Jugendliche ab vollendetem 6. bis vor vollendetem 18. Lebensjahr übernehmen die Krankenkassen die Individualprophylaxe. Laut BEMA gehören dazu der Mundhygienestatus (IP 1), die Mundgesundheitsaufklärung in Einzelunterweisung (IP 2), die lokale Fluoridierung (IP 4) und die Versiegelung kariesfreier Fissuren und Grübchen der bleibenden Molaren 6 und 7 (IP 5). Bei früh durchgebrochenen 6-Jahresmolaren ist IP 5 auch vor dem sechsten Geburtstag abrechenbar.
Für jüngere Kinder gibt es Früherkennungsuntersuchungen: FU 1 vom 6. bis zum vollendeten 33. Lebensmonat und FU 2 vom 34. bis zum vollendeten 72. Lebensmonat, jeweils in festgelegten Untersuchungsfenstern. Die praktische Anleitung der Betreuungspersonen zur Mundhygiene beim Kind (FU Pr) ist nur im Zusammenhang mit FU 1 abrechenbar. Fluoridlack (FLA) kann vom 6. bis zum vollendeten 72. Lebensmonat zweimal je Kalenderhalbjahr abgerechnet werden. Wie diese Leistungen abgerechnet werden, erklärt unser Beitrag zu Individualprophylaxe und Früherkennung.
Am Stuhl assistierst du bei Füllungen an Milchzähnen, bei Kinderkronen, Pulpotomien und Extraktionen. In spezialisierten Praxen kommt die Assistenz bei Behandlungen unter Lachgas oder in Narkose dazu. Für vieles brauchst du flinke Hände, weil die Geduld kleiner Patient:innen begrenzt ist.
Mindestens so wichtig ist die Kommunikation. Du erklärst Behandlungsschritte kindgerecht, etwa nach dem Prinzip Tell-Show-Do, beruhigst, lenkst ab und gewinnst die Eltern als Partner für das Putzen zu Hause. In der kieferorthopädischen Phase begleitest du Jugendliche mit Brackets, die mehr Pflege brauchen als vorher.
Was delegiert werden darf und was nicht
§ 1 Abs. 5 des Zahnheilkundegesetzes nennt unter den delegierbaren Tätigkeiten unter anderem das Einfärben der Zähne, Plaque- und Blutungsindizes, die Kariesrisikobestimmung, die lokale Fluoridierung mit Lack oder Gel, die Versiegelung kariesfreier Fissuren und die Mundhygieneunterweisung. Der Delegationsrahmen der Bundeszahnärztekammer nennt im Abschnitt Kariesprävention unter anderem Plaque-Indizes, Fissurenversiegelung und Fluoridierung nach zahnärztlicher Verordnung.
Was davon konkret an dich geht, hängt von deiner Qualifikation ab. Der Delegationsrahmen sagt ausdrücklich, dass Fortbildungen wie IP-Kurse und Aufstiegsfortbildungen weitergehende Delegationsmöglichkeiten eröffnen. Eine feste Liste „nach der Ausbildung“ und „nach dem Kurs“ gibt es nicht, die Zahnärztin entscheidet und überprüft deine Qualifikation. Diagnose, Therapieplanung und nicht delegierbare Behandlungsmaßnahmen bleiben zahnärztlich; auch bei übertragenen Aufgaben gelten Anordnung, Aufsicht und Kontrolle.
An Auszubildende dürfen keine zahnärztlichen Leistungen im Sinne des Delegationsrahmens delegiert werden. Die angeleitete Mitwirkung in der Ausbildung bleibt erlaubt.
Arbeitsorte
Mögliche Arbeitsorte sind Kinderzahnarztpraxen und Familienpraxen mit jungen Patient:innen. Auch ein Kinderbereich in einem zahnmedizinischen Versorgungszentrum (MVZ) oder eine Abteilung für Kinderzahnheilkunde an einer Universitätszahnklinik kommt infrage.
Ein ganz anderer Arbeitsort ist der öffentliche Gesundheitsdienst. In der Gruppenprophylaxe nach § 21 SGB V gehen zahnärztliche Dienste der Gesundheitsämter und Arbeitsgemeinschaften für Jugendzahnpflege in Kitas und Schulen. Die Maßnahmen richten sich an Kinder unter zwölf Jahren. In Schulen und Behinderteneinrichtungen mit überproportional hohem durchschnittlichem Kariesrisiko werden die Maßnahmen bis zum 16. Lebensjahr durchgeführt. Wie die Arbeit dort aussieht, beschreibt unser Berufsbild ZFA im Gesundheitsamt.
Berufliche Chancen
Kenntnisse im Umgang mit Kindern und in der Prophylaxe kannst du in Kinder- und Familienpraxen einsetzen. Ein Zertifikat der Fachgesellschaft dokumentiert die absolvierte Fortbildung; welche Aufgaben du übernehmen darfst, beurteilt die Zahnärztin anhand deiner Qualifikation.
Wer weiterkommen will, plant die Zahnmedizinische Prophylaxeassistenz (ZMP). Sie ist eine Aufstiegsfortbildung mit Kammerprüfung und umfasst Prophylaxe für alle Altersgruppen. In der Phase mit Zahnspange passt die kieferorthopädische Assistenz gut dazu, und wer sich für Ernährung interessiert, schaut sich die zahnmedizinische Ernährungsberater:in an.
Gehalt in der Kinderzahnheilkunde
Das DGKiZ-Zertifikat und die Kammerkurse sind keine Aufstiegsfortbildungen. In Tätigkeitsgruppe IV des ZFA-Gehaltstarifvertrags kommst du mit der ZMP. Die Kurse können zu den Stunden für die Gruppen II und III beitragen. Für Gruppe II brauchst du durch die Zahnärztekammer anerkannte Fortbildungsnachweise vertiefender oder spezieller Qualifizierungen von insgesamt mindestens 65 Unterrichtsstunden, für Gruppe III entsprechende Nachweise zur Erweiterung der beruflichen Handlungsfähigkeit von insgesamt mindestens 200 Unterrichtsstunden. Dazu muss deine Tätigkeit am Arbeitsplatz zu den erworbenen Kompetenzen passen. Ob ein bestimmter Kurs anerkannt wird, klärst du vorher mit deiner Kammer. Der DGKiZ-Terminplan umfasst rund 48 Zeitstunden einschließlich Pausen; das ist keine Angabe anerkannter Unterrichtsstunden.
Nach der Tariftabelle 2026 liegt bei Vollzeit Gruppe I bei 2.620,00 € bis 3.292,50 € brutto im Monat, Gruppe II bei 2.816,50 € bis 3.539,50 €, jeweils vom 1. bis 3. Berufsjahr bis ab dem 28. Berufsjahr. Unmittelbar gilt der Tarif bei Tarifbindung im Geltungsbereich; er kann außerdem arbeitsvertraglich vereinbart werden. Ohne entsprechende Tarifregelung richtet sich dein Gehalt nach dem Arbeitsvertrag. Mit dem ZFA-Gehaltsrechner prüfst du dein Tarifgehalt.
Fortbildungsablauf
Das umfangreichste der hier vorgestellten Angebote kommt von der Fachgesellschaft. „ZFA für Kinderzahnmedizin“ (ZFKiZ) der DGKiZ besteht aus drei Modulen mit zusammen sieben Präsenztagen in Würzburg, verteilt über rund zwei Monate. Der Kurs ist nur komplett buchbar. Er richtet sich laut DGKiZ an ZFA aus Kinderzahnarztpraxen und aus Familienpraxen, auch weniger erfahrene Kolleginnen und Auszubildende sind willkommen.
Kammerakademien bieten kürzere Formate an. Beim Philipp-Pfaff-Institut in Berlin gibt es einen zweitägigen Prophylaxekurs für Kinder und Jugendliche mit Übungen zur Fissurenversiegelung an extrahierten Zähnen und einen Nachmittag „Qualifizierte Assistenz: Kinderzahnheilkunde“. Die Fortbildungsakademie Zahnmedizin Hessen führt 2027 ebenfalls Kinderprophylaxe und Fissurenversiegelung im ZFA-Programm auf. Frag bei deiner Kammer nach, welche Prophylaxekurse dort angeboten werden.
Fortbildungsinhalte
Beim DGKiZ-Kurs verteilen sich die Inhalte auf drei Module:
Modul 1: Grundlagen und Prophylaxe bei Kleinkindern
- frühkindliche Karies (ECC), Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), Zahnunfälle
- Fluorid, Ernährung und Kariesrisiko
- Früherkennungsuntersuchungen, Fluoridlack, Individualprophylaxe und Fissurenversiegelung
- Abrechnung nach BEMA und GOZ
Modul 2: Assistenz und Praxismanagement
- Kommunikation mit Kindern und Eltern
- Vier-Hand-Technik in der Kinderbehandlung
- Assistenz bei Lachgas und Narkosesanierungen
- Röntgen bei Kindern
Modul 3: Verhaltensführung und Kinderhypnose
- Tell-Show-Do, Desensibilisierung und Grundlagen der Kinderhypnose
Die Kammerkurse behandeln je nach Angebot Prophylaxe und Assistenz: Indizes und Mundhygienestatus, Anfärben, Kariesrisiko, Fluorid, MIH, Betreuung während der KFO-Behandlung, Recall für IP und FU, dazu Stahlkronen, Pulpotomie und Milchzahn-Endodontie aus Sicht der Assistenz.
Voraussetzungen und Anbietervergleich
| Anbieter und Kurs | Zielgruppe | Umfang und Format | Kosten |
|---|---|---|---|
| DGKiZ: ZFA für Kinderzahnmedizin (ZFKiZ) | ZFA aus Kinder- und Familienpraxen | 3 Module, 7 Präsenztage, schriftlicher Test | 1.295 € (Arbeitgeber DGKiZ-Mitglied) bzw. 1.395 € |
| Philipp-Pfaff-Institut: Kinder- und Jugendprophylaxe mit FU, IP und Fissurenversiegelung | ZFA/ZAH | 2 Tage Präsenz mit Übungen | 615 € |
| Philipp-Pfaff-Institut: Qualifizierte Assistenz Kinderzahnheilkunde | ZFA/ZAH | ½ Tag Präsenz, 14 – 19 Uhr | 325 € |
Stand: Kursseiten der Anbieter, abgerufen am 26.10.2026. Termine: DGKiZ 22. Kursreihe 22.04. – 26.06.2027 in Würzburg, Pfaff-Prophylaxekurs 05./06.02.2027 und 17./18.09.2027, Pfaff-Assistenzkurs 05.11.2027, jeweils in Berlin. Weitere Kurse findest du im Fortbildungskatalog. Prüf vor der Anmeldung die aktuelle Seite.
Den DGKiZ-Preis bestimmt die Mitgliedschaft deines Arbeitgebers, nicht deine eigene. Die hier vorgestellten kurzen Kurse sind nicht durch Aufstiegs-BAföG förderfähig: Ihnen fehlt das nach § 2 AFBG förderfähige Fortbildungsziel beziehungsweise der erforderliche Umfang.
Prüfung und Abschluss
Beim DGKiZ-Kurs schreibst du am letzten Kurswochenende einen Test über die Module 1 und 2. Wer alle drei Module besucht und den Test besteht, erhält das Zertifikat „ZFA für Kinderzahnmedizin“ der DGKiZ. Es ist ein Nachweis der Fachgesellschaft, keine Prüfung vor der Kammer.
Die Kursbeschreibungen des Philipp-Pfaff-Instituts weisen keine Abschlussprüfung aus; bei den Kurspunkten steht „keine“. Lass dir eine Teilnahmebescheinigung mit Stundenangabe geben.
Häufige Fragen zur Kinderzahnheilkunde
Darf ich als ZFA Fissuren versiegeln?
Das Zahnheilkundegesetz nennt die Versiegelung kariesfreier Fissuren unter den delegierbaren Tätigkeiten. Ob deine Zahnärztin sie an dich delegiert, hängt von deiner Qualifikation ab, zum Beispiel einem Prophylaxekurs mit praktischen Übungen.
Brauche ich für eine Kinderzahnarztpraxis eine Fortbildung?
Nein. Die Assistenz und die Grundlagen der Prophylaxe gehören zur Ausbildung. Ein Kurs kann dich auf den Umgang mit Kindern und ihren Betreuungspersonen vorbereiten; über zusätzliche delegierte Aufgaben entscheidet deine Zahnärztin.
Ist das DGKiZ-Zertifikat dasselbe wie die ZMP?
Nein. Die ZMP ist eine Aufstiegsfortbildung mit Kammerprüfung und mindestens 400 Stunden laut Delegationsrahmen. Das DGKiZ-Zertifikat ist ein Kurs der Fachgesellschaft mit sieben Präsenztagen, dafür ganz auf Kinder zugeschnitten.
ZFA mal anders – Meinung
Mit Kindern zu arbeiten ist anstrengend und oft sehr schön. Wer das mag, findet in Kinder- und Familienpraxen einen Arbeitsplatz, an dem Kommunikation mindestens so viel zählt wie Technik.
Der DGKiZ-Kurs ist das umfangreichste der hier vorgestellten Angebote und deckt Prophylaxe, Assistenz und Verhaltensführung ab. Er kostet aber Zeit, und Würzburg liegt nicht für jede nah. Die kürzeren Kammerkurse können als Einstieg oder zum Auffrischen einzelner Themen passen. Für den Aufstieg in Tätigkeitsgruppe IV ist eine Aufstiegsfortbildung wie die ZMP nötig.
Unser Tipp: Kläre vor der Anmeldung mit deiner Praxis, welche delegierbaren Teiltätigkeiten im Rahmen von IP und FU du künftig übernehmen sollst und ob die Praxis die Kosten trägt. Vergleiche die Angebote der Fachgesellschaft und deiner Kammer. Wir bieten selbst keine Kurse an und empfehlen keinen bestimmten Anbieter.
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