Weiterbildung
Alterszahnmedizin und aufsuchende Betreuung

Inhalt
Auf einen Blick
- Voraussetzungen
- Abgeschlossene Ausbildung als ZFA oder Zahnarzthelfer:in
- Für das Karlsruher Curriculum: Anmeldung als ZFA mit eigenem Gebührensatz, Kurs vor allem für Zahnärztinnen und Zahnärzte
- Dauer
6 Online-Abende (ZFZ Stuttgart) bis 5 Module in rund 2 Monaten inkl. Hospitation (Akademie Karlsruhe)
- Kosten
330 – 1.900 € (verglichene Teamangebote; im Team günstiger)
- Fachbereich
- Prophylaxe, Prothetik
- Arbeitsorte
- Zahnarztpraxis, MVZ, Pflege
- Berufliche Chancen
Mögliche Spezialisierung für Praxen mit Pflegeheimkooperation. Die vorgestellten Kurse sind keine ZFA-Aufstiegsfortbildungen, können bei Kammeranerkennung aber zu den Stunden für Tätigkeitsgruppe II des ZFA-Tarifvertrags beitragen.
Die Bewohnerin im dritten Stock trägt seit Tagen ihre Unterkieferprothese nicht mehr. Die Pflegekraft weiß nicht, ob sie drückt oder ob sie einfach verlegt wurde. Und der Sohn ruft in der Praxis an, weil seine Mutter kaum noch isst. Willkommen in der aufsuchenden Betreuung.
Wer nicht mehr in die Praxis kommen kann, braucht eine Praxis, die zu ihm kommt. Pflegeheime schließen dafür Kooperationsverträge mit Zahnärztinnen und Zahnärzten, und für Menschen mit Pflegegrad gibt es eigene Vorsorgeleistungen. Bei den Besuchen bist du oft dabei: mit dem Koffer, dem Blick für Prothesen und Mundpflege und der Geduld für Menschen mit Demenz.
Für diese Aufgaben gibt es Fortbildungen für ZFA und gemeinsame Kurse für das Praxisteam. Hier vergleichst du Formate, Inhalte und Kosten und erfährst, worauf du bei der Auswahl achten solltest.
Aufgaben in der Alterszahnmedizin
In der Praxis geht es oft um Barrieren: Rollator, Rollstuhl, Hörgerät, mehrere Medikamente, eine Begleitperson, die mitredet. Du planst längere Termine, holst Medikamentenlisten und Informationen von Pflegediensten oder Betreuer:innen ein und erklärst so, dass es ankommt.
Unterwegs sieht dein Tag anders aus. Du stellst den Behandlungskoffer zusammen, hältst die Hygiene auch außerhalb der Praxis ein, dokumentierst den Besuch und nimmst Prothesen für Reparaturen mit. Viel Zeit geht in Absprachen mit den Pflegekräften: Wer reinigt die Prothese, wie wird sie gelagert, was fällt im Alltag auf?
Für Versicherte mit Pflegegrad oder einer Leistungsberechtigung in der Eingliederungshilfe nach § 99 SGB IX sieht § 22a SGB V eigene Vorsorgeleistungen vor: einen Mundgesundheitsstatus, die Aufklärung über Mundhygiene, einen Plan zur individuellen Mund- und Prothesenpflege und die Entfernung harter Zahnbeläge. Pflegepersonen sollen in Aufklärung und Plan einbezogen werden. Im BEMA stehen dafür eigene Positionen, etwa 174a für Mundgesundheitsstatus und -plan, 174b für die Mundgesundheitsaufklärung und 107a für das Entfernen harter Beläge. Wie BEMA-Positionen grundsätzlich aufgebaut sind, erklärt unser Überblick zu BEMA und GOZ.
Kooperationsverträge mit Pflegeheimen
Nach § 119b SGB V haben stationäre Pflegeeinrichtungen „bei entsprechendem Bedarf“ Kooperationsverträge mit geeigneten Leistungserbringern zu schließen. Das gilt auch für die zahnärztliche Versorgung. Der BEMA knüpft mehrere Besuchs- und Zuschlagspositionen daran, dass ein solcher Vertrag besteht. Im Praxisteam kannst du die vereinbarten Besuche planen, den Kontakt zum Heim halten und die Dokumentation vorbereiten.
Was delegiert werden darf und was nicht
Der Delegationsrahmen der Bundeszahnärztekammer nennt im Bereich Prävention unter anderem Mundhygieneinstruktion und Motivation, das Erstellen von Indizes und die Entfernung von Belägen. Er geht auch ausdrücklich auf Einsätze außerhalb der Praxis ein: Bei prophylaktischen Maßnahmen in Altersheimen und Pflegeeinrichtungen muss die Zahnärztin oder der Zahnarzt jederzeit für Rückfragen, Korrekturen und Komplikationen zur Verfügung stehen. Auch dort gelten die Pflichten zur Anordnung, Aufsicht und Kontrolle: Die Ausführung muss überwacht und die Leistung am Ende des Einsatzes im Einzelfall kontrolliert werden.
Ohne zahnärztliche Weisung darfst du dort keine delegierten zahnärztlichen Leistungen erbringen. Erbringst du eine zahnärztliche Leistung außerhalb der Praxis ohne Weisung, liegt die Haftung laut Delegationsrahmen bei dir. Leistungen wie PZR, Fluoridierung oder Politur dürfen nicht selbstständig angeboten werden. Untersuchung, Diagnose und Behandlungsplanung bleiben bei der Zahnärztin. An Auszubildende dürfen keine zahnärztlichen Leistungen im Sinne des Delegationsrahmens delegiert werden. Die angeleitete Mitwirkung in der Ausbildung bleibt erlaubt.
Arbeitsorte
Du kannst in Zahnarztpraxen oder zahnmedizinischen Versorgungszentren (MVZ) arbeiten, die Pflegeheimkooperationen oder Hausbesuche anbieten. Deine Einsätze können in der Praxis und mit mobiler Ausstattung außerhalb stattfinden.
Dein Einsatzort ist dann die Pflegeeinrichtung selbst: Bewohnerzimmer, Gemeinschaftsräume und manchmal ein eigens eingerichteter Behandlungsraum im Heim. Dazu können Einrichtungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung kommen. Der Anspruch nach § 22a SGB V steht den Versicherten zu, die einen Pflegegrad haben oder nach § 99 SGB IX leistungsberechtigt sind, nicht der Einrichtung selbst.
Berufliche Chancen
Wenn deine Praxis Menschen mit Pflegebedarf betreut, kannst du organisatorische Verantwortung übernehmen: den Kontakt zum Heim halten, Besuche planen und die Weitergabe von Befunden und Pflegeplänen abstimmen. Fachwissen zu Prothesenpflege und zum Umgang mit Demenz kann dich dabei unterstützen.
Für den Aufstieg in Tätigkeitsgruppe IV kommen etwa die Zahnmedizinische Prophylaxeassistenz (ZMP) oder die Zahnmedizinische Fachassistenz (ZMF) infrage. In der Musterordnung der Bundeszahnärztekammer für die ZMF ist die zahnmedizinische Betreuung von Menschen mit Unterstützungsbedarf ein eigener Bereich. Wenn dich die Hygiene unterwegs reizt, passt die Hygienebeauftragte in der Zahnarztpraxis als Ergänzung.
Gehalt in der Alterszahnmedizin
Die hier vorgestellten Kurse in Alterszahnmedizin sind keine ZFA-Aufstiegsfortbildungen und bringen dich nicht in Tätigkeitsgruppe IV des ZFA-Gehaltstarifvertrags. Sie können zu den Stunden für die Gruppen II und III beitragen. Für Gruppe II brauchst du durch die Zahnärztekammer anerkannte Fortbildungsnachweise vertiefender oder spezieller Qualifizierungen von insgesamt mindestens 65 Unterrichtsstunden, für Gruppe III entsprechende Nachweise zur Erweiterung der beruflichen Handlungsfähigkeit von insgesamt mindestens 200 Unterrichtsstunden. Dazu muss deine Tätigkeit am Arbeitsplatz zu den erworbenen Kompetenzen passen. Ob ein bestimmter Kurs anerkannt wird, klärst du vorher mit deiner Kammer.
Nach der Tariftabelle 2026 liegt bei Vollzeit Gruppe I bei 2.620,00 € bis 3.292,50 € brutto im Monat, Gruppe II bei 2.816,50 € bis 3.539,50 €, jeweils vom 1. bis 3. Berufsjahr bis ab dem 28. Berufsjahr. Unmittelbar gilt der Tarif bei Tarifbindung im Geltungsbereich; er kann außerdem arbeitsvertraglich vereinbart werden. Ohne entsprechende Tarifregelung richtet sich dein Gehalt nach dem Arbeitsvertrag. Organisatorische Verantwortung für die Besuche kannst du im Gehaltsgespräch ansprechen. Mit dem ZFA-Gehaltsrechner prüfst du dein Tarifgehalt.
Fortbildungsablauf
Die beiden hier verglichenen Teamangebote kommen aus Baden-Württemberg und richten sich an Zahnärztinnen, Zahnärzte und Praxispersonal gemeinsam. Sie unterscheiden sich vor allem beim Format: Online-Abende auf der einen, ein Curriculum mit Hospitation auf der anderen Seite.
Das ZFZ Stuttgart, eine Einrichtung der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg, bietet „Alterszahnmedizin – kompakt & interdisziplinär“ als Online-Kurs an: sechs Live-Abende von 18 bis 20 Uhr per Zoom, die Vorträge stehen danach eine Zeit lang auf Abruf bereit. Zielgruppe sind laut Kursseite Zahnärztinnen, Zahnärzte und Praxispersonal, ausdrücklich auch ZFA.
Die Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe bietet das „Curriculum Alterszahnmedizin“ an. Es besteht aus fünf Modulen mit Präsenz- und Online-Teilen, fallbasiertem Lernen, einer Abschlussveranstaltung und einer Hospitation in einer stationären Pflegeeinrichtung. Es ist vor allem für Zahnärztinnen und Zahnärzte gedacht; ZFA können mit eigenem, niedrigerem Gebührensatz teilnehmen.
Das Curriculum Seniorenzahnmedizin für ZFA der Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) und der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ) ist ausdrücklich auf ZFA ausgerichtet. Dokumentiert sind drei Module mit insgesamt sechs Tagen, praktischen Anteilen zur mobilen Arbeit und einem Abschlusskolloquium. Bei erfolgreicher Teilnahme erhältst du ein Anbieterzertifikat. Es ist weder ein Kammerabschluss einer ZFA-Aufstiegsfortbildung noch die zahnärztliche DGAZ-Spezialisierung. Auf der am 26.10.2026 geprüften Seite sind keine aktuellen Termine veröffentlicht. Ob eine neue Reihe stattfindet und zu welchen Konditionen, solltest du direkt beim Anbieter klären.
Auch außerhalb Baden-Württembergs gibt es belegte ZFA-Angebote: Die KZV Nordrhein führte beim 6. Tag der Seniorenzahnmedizin in Neuss am 7. März 2026 einen eigenen ZFA-Gebührensatz auf. Dieser Termin liegt bereits zurück; er ist ein Beispiel für das Angebot in Nordrhein, kein aktuell buchbarer Kurs in unserem Vergleich.
Fortbildungsinhalte
Die beiden verglichenen Teamkurse behandeln je nach Angebot folgende Themen:
- Praxisorganisation, Barrierefreiheit, rechtliche Fragen und Abrechnung
- Geriatrie und Medikamente im Alter
- Mundgesundheitsstatus, Plan und Aufklärung nach § 22a SGB V
- Betreuung einer Pflegeeinrichtung und Kooperationsvertrag
- aufsuchende Behandlung, Schluckstörungen und Demenz
- Versorgung von Menschen mit Behinderung
- Expertenstandard „Förderung der Mundgesundheit in der Pflege“ und Schulungsmaterial für Pflegekräfte
- S2k-Leitlinie zur zahnmedizinischen Betreuung geriatrischer Patient:innen
Voraussetzungen und Anbietervergleich
| Anbieter und Kurs | Zielgruppe | Umfang und Format | Kosten |
|---|---|---|---|
| ZFZ Stuttgart (LZK Baden-Württemberg): Alterszahnmedizin kompakt & interdisziplinär | Zahnärztinnen, Zahnärzte und Praxispersonal (ZFA, ZMP, DH, ZMV) | 6 Online-Live-Abende à 2 Std., danach auf Abruf | 330 € für die erste Person der Praxis, 49 € für jede weitere |
| Akademie Karlsruhe (LZK Baden-Württemberg): Curriculum Alterszahnmedizin | Zahnärztinnen und Zahnärzte, ZFA mit eigenem Gebührensatz | 5 Module: Präsenz, Online, Hospitation im Pflegeheim, Abschlussseminar | 1.900 € für ZFA (3.800 € für Zahnärztinnen und Zahnärzte) |
Stand: Kursseiten der Akademien, abgerufen am 26.10.2026. Termine: ZFZ Stuttgart 07.09. – 30.11.2026, die Aufzeichnungen sind bis 31.12.2026 abrufbar; Akademie Karlsruhe 09.04. – 12.06.2027. Auf den geprüften ZFZ-Seiten ist noch kein Termin für diesen Online-Kurs 2027 veröffentlicht. Weitere Kurse findest du im Fortbildungskatalog. Prüf vor der Anmeldung die aktuelle Seite.
Das ZFZ-Angebot ist auf Teams ausgelegt: Die erste Person einer Praxis zahlt 330 €, jede weitere nur 49 €. Für das Karlsruher Curriculum ist laut Akademie nur eine Einmalzahlung möglich. Die vorgestellten Kurse führen nicht zu einem nach § 2 AFBG förderfähigen Fortbildungsziel beziehungsweise erreichen nicht den erforderlichen Umfang. Deshalb kommt Aufstiegs-BAföG für diese Angebote nicht infrage.
Prüfung und Abschluss
Beim ZFZ Stuttgart erhält laut Kursseite jede Person nach erfolgreicher Teilnahme ein Zertifikat, bescheinigt werden 18 Fortbildungspunkte. Das Karlsruher Curriculum endet mit einem Abschlussseminar und einem Zertifikat der Akademie. Laut Akademie erfüllt der Abschluss für Zahnärztinnen und Zahnärzte eine Voraussetzung zum Ausweisen des Tätigkeitsschwerpunkts Alterszahnmedizin. Für ZFA ist er ein Fortbildungsnachweis, kein Abschluss einer ZFA-Aufstiegsfortbildung.
Häufige Fragen zur Alterszahnmedizin
Darf ich als ZFA allein ins Pflegeheim fahren?
Bei delegierbaren prophylaktischen Maßnahmen kann ein Einsatz außerhalb der Praxis möglich sein, wenn deine Qualifikation passt und die Zahnärztin ihn anordnet. Sie muss jederzeit für Rückfragen, Korrekturen und Komplikationen zur Verfügung stehen, die Ausführung überwachen und das Ergebnis kontrollieren; bloße telefonische Erreichbarkeit ersetzt diese Pflichten nicht. Untersuchung, Diagnose und nicht delegierbare Behandlung bleiben zahnärztlich.
Was ist ein Kooperationsvertrag nach § 119b SGB V?
Ein Vertrag zwischen einer stationären Pflegeeinrichtung und einer Praxis über die regelmäßige Versorgung der Bewohner:innen. Er regelt zum Beispiel Besuche und Ansprechpartner:innen und ist Voraussetzung für mehrere BEMA-Zuschläge.
Kann ich in einen bereits laufenden Kurs einsteigen?
Kläre das vor der Buchung direkt mit dem Anbieter. Frage, ob eine nachträgliche Anmeldung möglich ist, wie du verpasste Inhalte nachholen kannst und welche Teilnahmebedingungen für das Zertifikat gelten. Plane auch die Zeit zum Nachholen ein; verfügbare Aufzeichnungen allein sind keine Zusage für einen späteren Einstieg.
ZFA mal anders – Meinung
Wähle den Kurs danach aus, was du bei den Besuchen übernehmen sollst. Geht es vor allem um Organisation und die Abstimmung mit Pflegekräften, lohnt sich ein Blick auf diese Inhalte im Programm. Sollst du auch bei der mobilen Versorgung mitarbeiten, achte auf praktische Übungen und Hospitationen.
Online-Abende lassen sich ohne Anreise einplanen, brauchen aber feste Lernzeit nach der Arbeit. Ein Curriculum mit Hospitation kommt eher infrage, wenn du Abläufe vor Ort kennenlernen möchtest und die Praxis dich dafür freistellt. Besprich auch, ob ihr gemeinsam teilnehmen wollt und wie viel der Kurs für euer Team insgesamt kostet.
Unser Tipp: Kläre vor der Anmeldung, ob Pflegeheimbesuche bereits stattfinden oder konkret geplant sind und welche Aufgaben du dabei bekommst. So kannst du beurteilen, ob du das Gelernte bald anwenden kannst. Wir bieten selbst keine Kurse an und empfehlen keinen bestimmten Anbieter.
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