Magazin · Praxisarbeit
Zahnschema einfach erklärt: das FDI-System für ZFA und Azubis

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Die Zahnärztin sagt „36 mesial, Karies“, und du sollst es sofort richtig in die Karteikarte eintragen. In den ersten Wochen der Ausbildung fühlt sich das wie eine Geheimsprache an. Dahinter steckt aber ein einfaches System. Nach ein paar Wochen Assistenz musst du es kaum noch nachschlagen.
In deutschen Zahnarztpraxen wird fast immer das Zahnschema der FDI benutzt, der Fédération Dentaire Internationale. Es ist international als Norm festgelegt (ISO 3950, in Deutschland als DIN EN ISO 3950). Auch der Heil- und Kostenplan für Zahnersatz arbeitet mit diesen Zahnnummern.
Zwei Ziffern pro Zahn
Jeder Zahn bekommt eine zweistellige Zahl.
- Die erste Ziffer nennt den Quadranten, also das Viertel des Gebisses.
- Die zweite Ziffer nennt die Position des Zahns in diesem Quadranten. Gezählt wird von der Mitte nach hinten: Die 1 ist der mittlere Schneidezahn, die 8 der Weisheitszahn.
Der Zahn 36 ist also der sechste Zahn im dritten Quadranten: der erste große Backenzahn unten links.
Damit es am Stuhl keine Missverständnisse gibt, sprichst du die Ziffern einzeln aus: „drei-sechs“, nicht „sechsunddreißig“. So ist auch über die Absaugung hinweg klar, welcher Zahn gemeint ist.
Die vier Quadranten im bleibenden Gebiss
Rechts und links gelten immer aus Sicht der Patientin oder des Patienten. Wenn du der Person gegenüber sitzt, ist ihr rechter Oberkiefer auf deiner linken Seite. Genau das sorgt am Anfang oft für Verwechslungen.
Die Quadranten werden im Uhrzeigersinn gezählt, wenn du von vorne auf das Gebiss schaust: Oberkiefer rechts, Oberkiefer links, Unterkiefer links, Unterkiefer rechts.
| Quadrant | Lage (aus Sicht der Patient:innen) | Zahnnummern |
|---|---|---|
| 1 | Oberkiefer rechts | 11 bis 18 |
| 2 | Oberkiefer links | 21 bis 28 |
| 3 | Unterkiefer links | 31 bis 38 |
| 4 | Unterkiefer rechts | 41 bis 48 |
Ein vollständiges bleibendes Gebiss hat 32 Zähne, acht pro Quadrant. Wenn du das Schema aufschreibst, sieht es so aus wie auf dem Heil- und Kostenplan: oben 18 bis 11 und 21 bis 28, unten 48 bis 41 und 31 bis 38. Die Mittellinie liegt zwischen den Einsern.
Welcher Zahn hat welche Nummer?
Die zweite Ziffer ist in allen vier Quadranten gleich. Hast du die acht Positionen einmal gelernt, kennst du alle 32 Zähne.
| Zahn | OK rechts | OK links | UK links | UK rechts |
|---|---|---|---|---|
| Mittlerer Schneidezahn | 11 | 21 | 31 | 41 |
| Seitlicher Schneidezahn | 12 | 22 | 32 | 42 |
| Eckzahn | 13 | 23 | 33 | 43 |
| 1. Prämolar | 14 | 24 | 34 | 44 |
| 2. Prämolar | 15 | 25 | 35 | 45 |
| 1. Molar | 16 | 26 | 36 | 46 |
| 2. Molar | 17 | 27 | 37 | 47 |
| Weisheitszahn (3. Molar) | 18 | 28 | 38 | 48 |
Eine Merkhilfe für die Gruppen: 1 und 2 sind die Schneidezähne (Incisivi), die 3 ist der Eckzahn (Caninus), 4 und 5 sind die kleinen Backenzähne (Prämolaren), 6 bis 8 die großen Backenzähne (Molaren).
Milchzähne in den Quadranten 5 bis 8
Kinder haben 20 Milchzähne, fünf pro Quadrant. Damit sich Milchzähne und bleibende Zähne in der Dokumentation nicht verwechseln lassen, bekommen sie eigene Quadranten. Die Reihenfolge bleibt gleich, nur die erste Ziffer ist um vier höher.
| Quadrant | Lage | Zahnnummern |
|---|---|---|
| 5 | Oberkiefer rechts | 51 bis 55 |
| 6 | Oberkiefer links | 61 bis 65 |
| 7 | Unterkiefer links | 71 bis 75 |
| 8 | Unterkiefer rechts | 81 bis 85 |
Im Milchgebiss gibt es keine Prämolaren. Die Positionen 4 und 5 sind die Milchmolaren. Die 75 ist also der zweite Milchmolar unten links. An seine Stelle tritt später der zweite Prämolar 35, während der bleibende erste Molar 36 dahinter ohne Vorgänger durchbricht.
Im Wechselgebiss stehen beide Systeme nebeneinander im Mund, zum Beispiel 16, 55, 54, 53, 12, 11. Das sieht in der Kartei zuerst verwirrend aus, ist aber eindeutig: Jede Nummer kommt nur einmal vor.
Zahnflächen und ihre Kürzel
Für Füllungen und Befunde reicht die Zahnnummer nicht. Du brauchst auch die Fläche. Diese Bezeichnungen und Kürzel begegnen dir in fast jeder Praxis:
| Kürzel | Fläche | Wo liegt sie? |
|---|---|---|
| m | mesial | zur Mitte des Zahnbogens hin |
| d | distal | von der Mitte weg, nach hinten |
| o | okklusal | Kaufläche der Backenzähne |
| i | inzisal | Schneidekante der Front- und Eckzähne |
| v / b / la | vestibulär, bukkal, labial | zur Wange oder Lippe hin |
| l / p | oral: lingual, palatinal | zur Zunge hin, im Oberkiefer zum Gaumen |
Eine Füllung „36 mod“ geht also über drei Flächen: mesial, okklusal und distal. Welche Schreibweise eure Praxis für die Innen- und Außenflächen nutzt, legt meist die Praxissoftware fest. Frag im Zweifel nach, statt zu raten.
Weitere Kürzel für Befunde und Abrechnung findest du in unserem Überblick zu Abkürzungen in der Zahnarztpraxis.
Andere Zahnschemata, die dir begegnen können
Ab und zu landen Unterlagen aus dem Ausland oder sehr alte Karteikarten in der Praxis. Dann hilft es, die anderen Systeme zu erkennen:
- Universal-System (vor allem USA): Die Zähne sind von 1 bis 32 durchnummeriert, beginnend beim oberen rechten Weisheitszahn.
- Winkelschema nach Zsigmondy und Palmer: Ein Winkelzeichen zeigt den Quadranten, die Zahl daneben die Position.
- Haderup-Schema: Plus- und Minuszeichen kennzeichnen Ober- und Unterkiefer.
Übertrage solche Angaben nicht still ins FDI-Schema, sondern lass sie von der Zahnärztin oder dem Zahnarzt prüfen.
Das Zahnschema lernen
Schreib das Schema ein paar Tage lang aus dem Kopf auf, erst die Quadranten, dann alle 32 Nummern. Danach kannst du mit dem eigenen Gebiss üben: Fahr mit der Zunge die Zähne entlang und sag die Nummern leise mit.
Am Kiefermodell geht es schneller, wenn dir Kolleg:innen Nummern zurufen und du den Zahn mit dem Spiegel zeigst. Achte dabei auf die Patientensicht. Auch Röntgenbilder sind eine gute Übung. Auf einem OPG ist die rechte Patientenseite in der Regel links im Bild; frag nach, wie eure Software es darstellt.
Und beim Dokumentieren hilft ein einfacher Trick: Wiederhole den Befund laut, bevor du ihn einträgst. „Drei-sechs, mesial, okklusal.“ So fallen Hörfehler sofort auf.
Das Zahnschema gehört zu den Grundlagen der Ausbildung. Einen Überblick über Ablauf, Inhalte und Prüfungen findest du im Ausbildungsbereich für ZFA. Wie das Zahnschema in Prüfungsaufgaben vorkommt, zeigen die Übungsaufgaben zu Empfang und Patientenaufnahme.
Wofür du das Zahnschema im Alltag brauchst
Du nutzt die Zahnnummern fast überall: beim Mitschreiben der Befunde, beim Anreichen des richtigen Instruments, bei der Röntgendokumentation, bei Laboraufträgen und in der Abrechnung. Ein falsch eingetragener Zahn kann eine Behandlung am falschen Zahn, eine falsche Rechnung oder einen fehlerhaften Heil- und Kostenplan nach sich ziehen.
Wer das Schema sicher beherrscht, ist am Stuhl schneller und macht weniger Fehler. Auf dieser Grundlage bauen später die Instrumentenkunde und die Abrechnung nach BEMA und GOZ auf. Wenn dich das Röntgen besonders interessiert, lies auch unseren Beitrag zur Röntgenassistenz und zum Röntgenschein.
Quellen
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Artikel von
Redaktion ZFA mal anders
Redaktionelles Team von ZFA mal anders. Wir bereiten Fachwissen für ZFA und Auszubildende in der Zahnarztpraxis auf. Die verwendeten Fachquellen wie Gesetze, Richtlinien, KZBV- und Kammerunterlagen sind im jeweiligen Artikel genannt.