Magazin · Praxisarbeit
Zahnarzt-Instrumente: Grundinstrumentarium und Einsatz für ZFA

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Die Zahnärztin streckt die Hand aus und sagt nur „Heidemann“. Wenn du jetzt erst überlegen musst, welches Instrument das ist, steht die Behandlung kurz still. Gute Assistenz heißt, das passende Instrument zu kennen, bevor jemand danach fragt.
Dieser Überblick zeigt dir die Instrumente, die dir in einer allgemeinzahnärztlichen Praxis am häufigsten begegnen: wofür sie da sind, wie sie heißen und in welche Hygiene-Risikogruppe sie typischerweise fallen. Welche Modelle und Varianten genau im Einsatz sind, unterscheidet sich von Praxis zu Praxis. Deine Praxis legt außerdem fest, wie sie ihre Instrumente einstuft und aufbereitet.
Spiegel, Sonde, Pinzette: das Grundinstrumentarium
Fast jede Behandlung beginnt mit dem Untersuchungsbesteck. Es liegt bei jeder Patientin und jedem Patienten bereit.
| Instrument | Wofür es gebraucht wird |
|---|---|
| Mundspiegel | Indirekte Sicht auf schwer einsehbare Flächen, Abhalten von Wange und Zunge, Licht auf den Zahn lenken |
| Zahnärztliche Sonde | Tasten von Zahnoberflächen, Füllungsrändern und Kronenrändern |
| Parodontalsonde | Messen der Taschentiefe in Millimetern; für den Parodontalen Screening-Index (PSI) wird eine Sonde mit Kugelspitze genutzt |
| Zahnärztliche Pinzette | Anreichen und Platzieren von Watterollen, Pellets und kleinen Materialien |
Dazu kommen je nach Behandlung Watterollen, Speichelsauger und die große Absaugkanüle. Die Absaugung ist dein wichtigstes Werkzeug am Stuhl, auch wenn sie kein klassisches Instrument ist.
Instrumente für Füllungen
Bei einer Füllungstherapie wechseln Hand- und rotierende Instrumente schnell. Die wichtigsten Handinstrumente:
- Exkavator: löffelförmig, entfernt weiches, kariöses Zahnbein.
- Heidemannspatel: schmaler, flacher Spatel zum Einbringen und Formen von Unterfüllungen und Füllungsmaterial.
- Stopfer (zum Beispiel Kugelstopfer): verdichtet plastisches Füllungsmaterial in der Kavität.
- Modellierinstrumente: formen die Oberfläche der Füllung, bevor sie aushärtet.
- Matrizen, Matrizenspanner und Keile: ersetzen bei mehrflächigen Füllungen die fehlende Zahnwand und sorgen für einen sauberen Kontaktpunkt zum Nachbarzahn.
Zur Trockenlegung kann ein Kofferdam gehören. Wie du dabei assistierst, steht in unserem Beitrag zum Kofferdam.
Rotierende Instrumente und Übertragungsinstrumente
Übertragungsinstrumente verbinden den Motor oder die Luftzufuhr der Behandlungseinheit mit dem Bohrer. Im Praxisalltag unterscheidest du:
- Turbine: luftbetrieben, sehr hohe Drehzahl, für das Präparieren von Zahnhartsubstanz.
- Winkelstück: motorbetrieben, abgewinkelter Kopf. Viele Hersteller kennzeichnen die Übersetzung mit einem farbigen Ring: rot für schnelllaufende Winkelstücke, blau für ein Übersetzungsverhältnis von 1:1, grün für langsam untersetzte Winkelstücke, etwa in der Endodontie. Prüfe die Kennzeichnung an euren Geräten, bevor du dich darauf verlässt.
- Handstück: gerade, zum Beispiel für die Chirurgie oder Arbeiten außerhalb des Mundes.
Die rotierenden Instrumente selbst sind Bohrer, Fräser, Schleifer, Finierer und Polierer. Diamantschleifer tragen Hartsubstanz ab, Hartmetallbohrer wie der Rosenbohrer kommen unter anderem beim Exkavieren zum Einsatz. Die Form und Körnung erkennst du oft an der Farbcodierung am Schaft. Die Systeme unterscheiden sich je nach Hersteller.
Scaler und Küretten in Prophylaxe und Parodontologie
Scaler und Küretten sehen sich ähnlich, haben aber unterschiedliche Aufgaben.
| Instrument | Form | Einsatz |
|---|---|---|
| Scaler (Sichelscaler) | spitz zulaufende Arbeitsspitze, zwei Schneiden | Entfernen von Zahnstein oberhalb des Zahnfleischrands |
| Universalkürette | abgerundete Spitze, zwei Schneiden | Arbeiten ober- und unterhalb des Zahnfleischrands |
| Gracey-Kürette | abgerundete Spitze, eine Schneide, gebietsspezifisch gebogen | gezielte Bearbeitung von Wurzeloberflächen in bestimmten Zahnbereichen |
| Ultraschall- oder Schallscaler | Arbeitsteil am Handstück, mit Wasserkühlung | maschinelles Entfernen von Belägen und Zahnstein |
Welche Tätigkeiten du in Prophylaxe und Parodontaltherapie selbst übernehmen darfst, regeln das Zahnheilkundegesetz und die Delegation durch die Zahnärztin oder den Zahnarzt. Wer hier mehr Verantwortung übernehmen will, findet den Weg über die Aufstiegsfortbildung zur Zahnmedizinischen Prophylaxeassistenz (ZMP). Kürzere Kurse zur PAR-Strecke stehen bei der Parodontologie-Assistenz und UPT.
Instrumente für chirurgische Eingriffe
Für Extraktionen und kleine Eingriffe wird ein eigenes Tray vorbereitet. Typisch sind:
- Extraktionszangen: Es gibt eigene Zangen für Ober- und Unterkiefer und für unterschiedliche Zahngruppen. Die Form der Branchen passt zur Zahnkrone und zu den Wurzeln.
- Hebel: lockern den Zahn oder Wurzelreste vor oder statt der Zange.
- Scharfer Löffel: säubert die Alveole nach der Extraktion.
- Skalpell, Raspatorium und Wundhaken: für Schnitt, Ablösen und Abhalten der Schleimhaut.
- Nadelhalter, Pinzette und Schere: für die Naht.
In der Chirurgie arbeitest du aseptisch. Instrumente kommen steril aus der Verpackung, und das Tray wird so vorbereitet, dass nichts unnötig berührt wird. Mehr zur chirurgischen Assistenz im Implantatbereich steht im Beitrag zur Implantologischen Assistenz (ZMFI).
Instrumente für die Wurzelkanalbehandlung
Bei einer Wurzelkanalbehandlung kommen sehr feine Instrumente zum Einsatz: Handfeilen in verschiedenen Größen, maschinelle Feilen aus Nickel-Titan, die im Endo-Winkelstück laufen, Messinstrumente zur Längenbestimmung und Spülkanülen. Feilen sind nach Größe genormt und farbcodiert.
Für maschinelle Nickel-Titan-Feilen legen Hersteller oft eine Höchstzahl an Aufbereitungen fest, weil das Bruchrisiko mit jeder Anwendung steigt. Dann muss erkennbar sein, wie oft ein Instrument schon benutzt wurde, zum Beispiel über Markierungsringe. Exstirpationsnadeln sind Einmalprodukte. Wie du dich für die Assistenz in der Wurzelkanalbehandlung fortbilden kannst, steht im Artikel zur Endodontie-Assistenz.
Welche Instrumente wie aufbereitet werden
Nach jeder Behandlung gelten benutzte Instrumente als kontaminiert, auch wenn sie nur offen auf dem Tray lagen. Wie ein Instrument aufbereitet wird, hängt von seiner Risikoeinstufung ab. Diese Einstufung nimmt die Praxisinhaberin oder der Praxisinhaber vor.
Der Hygieneleitfaden des Deutschen Arbeitskreises für Hygiene in der Zahnmedizin (DAHZ) gibt eine Faustregel: Instrumente für allgemeine, vorbeugende, restaurative und nichtinvasive kieferorthopädische Behandlungen sind in der Regel semikritisch. Instrumente für chirurgische, invasive parodontologische und endodontische Behandlungen sind in der Regel kritisch. Dazu gehören zum Beispiel Extraktionszangen und Hebel, aber auch Küretten für die Arbeit unter dem Zahnfleischrand und Wurzelkanalfeilen.
Wichtig für dich: Dasselbe Instrument kann je nach Einsatz anders eingestuft sein. Eine Sonde im Untersuchungsbesteck ist semikritisch, dieselbe Sonde im chirurgischen Tray kritisch, weil sie mit einer Wunde in Kontakt kommt. Kritische Instrumente werden nach Reinigung und Desinfektion verpackt und sterilisiert.
Die vollständige Übersicht der Risikogruppen mit Aufbereitungsschritten steht im Beitrag zu Hygieneplan und Aufbereitung.
Am Stuhl assistieren
Wer weiß, wozu ein Instrument da ist, ahnt den nächsten Behandlungsschritt voraus. Lern die Instrumente deshalb immer zusammen mit ihrem Zweck, und leg das Tray in der Reihenfolge an, in der gearbeitet wird.
Angereicht wird in der Übergabezone unterhalb des Patientenkinns, mit dem Arbeitsende in Arbeitsrichtung. Spitze und scharfe Instrumente gehen nie über das Gesicht.
Manche Teams nutzen Herstellernamen oder Spitznamen für Instrumente. Schreib dir diese Bezeichnungen in den ersten Wochen auf. Und wenn dir eine stumpfe Kürette, eine verbogene Sonde oder ein Winkelstück mit Geräuschen auffällt: aussortieren oder zur Wartung geben und Bescheid sagen.
Instrumentenkunde ist Teil der Ausbildung und Prüfung. Den Überblick über die ZFA-Ausbildung findest du im Ausbildungsbereich. Wenn dich die Aufbereitung besonders interessiert, schau dir die Sterilisationsassistenz und die Fortbildung zur Hygienebeauftragten in der Zahnarztpraxis an. Für die Orientierung im Mund hilft dir das FDI-Zahnschema.
Quellen
- Deutscher Arbeitskreis für Hygiene in der Zahnmedizin (DAHZ): Hygieneleitfaden, 17. Ausgabe 2026, Kapitel 07 C und D (Risikobewertung und Aufbereitungsverfahren), abrufbar über die Bundeszahnärztekammer
- KZBV: BEMA, Stand 01.01.2026, Nr. 04 (Parodontaler Screening-Index): kzbv.de
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Artikel von
Redaktion ZFA mal anders
Redaktionelles Team von ZFA mal anders. Wir bereiten Fachwissen für ZFA und Auszubildende in der Zahnarztpraxis auf. Die verwendeten Fachquellen wie Gesetze, Richtlinien, KZBV- und Kammerunterlagen sind im jeweiligen Artikel genannt.